Girlan: Die letzte Traubenfuhre

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Dieser alte Brauch im Überetsch wurde vor zehn Jahren wiederbelebt. Die Trauben werden in einer großen Presse gepresst und der Saft an die Besucherinnen und Besucher „aufgeschenkt“.

In diesem Zusammenhang möchte ich einen kurzen Ausschnitt aus dem dem Katalog der Ausstellung „WeinKunst vinoearte“ zitieren:

„In Weingegenden gab es den Brauch der einzelnen Kellerein, die letzte Traubenfuhr besonders hervorzuheben. Das Ochsen- oder Pferdegespann, heute natürlich der Traktor, wird mit einem Kranz und mit einem Wetterspruch über das Erntejahr geschmückt. Für die Kellereigenossenschaft St. Pauls verfasste seit 1959 über 40 Jahre lang der Volksdichter Erich Hechensteiner aus St. Pauls (1923-2012) das passende Gedicht über den neuen Jahrgangswein, welches malerisch umrahmt wurde. […] Der Lobgesang des Weines war einer der Schwerpunkte in Erich Hechensteiners dichterischem Schaffen:

Wein, du labst seit Noahs Tagen
Herz und Hirn und Mund und Magen
und du heilst als Medizin
Bettlersmann und Königin.
Kraft gibst du und frohe Lieder,
schenkst nach Leid das Lachen wieder –
sieh, mein Herz will überfließen
voll von tiefer Dankbarkeit.
Hätt ich doch, dich zu genießen,
tausend lange Jahre Zeit.*“

* Erich Hechensteiner, Der Verseschmied. Gedichte aus sieben Jahrzehnten (2006)